Ein Fernglas für beide Augen, das Wärmebild, einen hochauflösenden Tag-/Nachtkanal und einen Entfernungsmesser in einem Gehäuse vereint — das ist genau die Geräteklasse, die ich mit dem Habrok seit März 2024 im Revier führe. Deshalb schaue ich mir das neue Nocpix OMNI H35R genauer an. Selbst in der Hand hatte ich es noch nicht.
Multispektral-Fernglas · Wärmebild + 8K-Tag-/Nachtkanal · Laser-Entfernungsmesser
Vorgestellt Ende September 2026 · Schwestermodell OMNI L19R (384er-Sensor, 1.799 €)
Was am OMNI H35R neu ist
Nocpix legt zwei abnehmbare IR-Module bei: 850 nm für mehr Reichweite, 940 nm für das unauffälligere Licht. Das ist der Punkt, der mich am meisten interessiert. Am Habrok reicht mir der eingebaute 940-nm-Strahler für ein sicheres Ansprechen nur bis etwa 70 m, darüber brauche ich eine Zusatzlampe. Ob 850 nm im OMNI spürbar weiter trägt, hat bisher niemand belegt — eine Reichweitenangabe für das Ansprechen mit IR nennt weder Nocpix noch einer der ersten Berichte.
Der Digitalsensor löst mit 8192×6144 Pixeln auf, das sind rund 50 Megapixel. Im Okular sitzt aber ein Display mit 1600×1200 Pixeln — die volle Sensorauflösung sieht man beim Beobachten nie. Der Nutzen liegt beim digitalen Zoom, der länger scharf bleibt, und bei Fotos. Die Kehrseite: Bei 50 Megapixeln auf kleiner Fläche ist jedes Pixel nur 1,2 µm groß, und kleine Pixel sammeln wenig Licht. Das passt zu dem, was der erste ausführliche Praxisbericht schreibt: In der Dämmerung lieferte ein klassisches Fernglas das klarere Bild.
Gezoomt wird in 0,5er-Schritten statt in groben Sprüngen, die elektronische Bildstabilisierung arbeitet laut Nocpix bereits ab 1×. Beides hilft beim Abglasen aus der freien Hand, wo jedes Zittern bei Vergrößerung sofort sichtbar wird. Gemessen hat das bisher niemand.
Der Laser-Entfernungsmesser misst laut Hersteller bis 1.000 m; dazu kommen ballistische Referenzdaten, Bluetooth, die Nocpix-App und „N-Link“ zum Austausch mit anderen Nocpix-Geräten. Sicherheitsupdates sagt Nocpix bis zum 30. Dezember 2029 zu. Die Stromversorgung läuft über 18650-Akkus — dieselben Zellen, die ich am Habrok schätze, weil man sie überall bekommt.
Was die ersten Berichte sagen
Zum OMNI H35R gibt es bisher keinen unabhängigen Langzeitbericht — dafür ist das Gerät zu neu. Zwei Praxisberichte liegen vor, beide aus den ersten Wochen:
Gelobt: das Detailbild bei gutem Licht, der Wechsel zwischen Digital- und Wärmebild per Tastendruck — eine laufende Videoaufnahme läuft dabei weiter —, die Bedienung mit einer Hand. Kritik: In der Dämmerung lieferte ein klassisches Fernglas das klarere Bild, bei starker Vergrößerung wird es pixelig, die Fokusräder an der Unterseite brauchen Gewöhnung, und ohne geladene Akkus geht nichts. Eine einzelne Messung des Entfernungsmessers gelang unter günstigen Bedingungen auf etwa 1.500 m; die Tester warnen selbst davor, daraus eine Jagdreichweite abzuleiten. Die von Nocpix genannte Detektionsreichweite von 1.818 m ist ausdrücklich keine Entfernung, auf die man Wild sicher ansprechen kann.
Der zweite Bericht betrifft das kleinere OMNI L19R mit 384er-Wärmebildsensor, nicht das H35R. Der Digitalkanal ist bei beiden gleich, die Aussagen dazu lassen sich also übertragen, die zum Wärmebild nicht. Der Ton ist sehr positiv, ausdrückliche Kritik fehlt; einschränkend heißt es nur, das Gerät ersetze kein reines Premium-Fernglas für Jäger, die ausschließlich bei Tageslicht beobachten.
Nicht verwechseln: Ein Bericht im JÄGER-Magazin vom August 2025 über ein „Nocpix H35R“ betrifft das QUEST H35R — ein anderes Fernglas ohne 8K-Kanal.
Wo die Angaben auseinandergehen
Bei einem neuen Gerät sind die Daten im Handel oft noch nicht sauber. Beim OMNI H35R widersprechen sich die Quellen an Stellen, die für den Kauf zählen. Ich nenne beide Angaben und rate nicht:
| Merkmal | Angabe A | Angabe B | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Gewicht | „unter 999 g ohne Akkus“ (Händler) | „0,900 kg ohne Akku“ (anderer Händler) | Nocpix nennt kein Gewicht — ungeprüft |
| Schutzart | IP67 (ein Händler) | keine Angabe (Nocpix, weitere Händler) | ungeprüft — für ein Nachtgerät entscheidend |
| Akkus | integrierter Akku + 2 wechselbare 18650 (Händler) | vier 18650 im Lieferumfang (Praxisbericht, L19R) | ungeprüft |
| Laufzeit | bis 7,5 h bei 22 °C (Händler) | bis 7,5 h (Herstellerangabe laut Bericht) | nicht gemessen; Wert bei Frost unbekannt |
| Garantie | keine Angabe | „mindestens zwei Jahre gesetzliche Gewährleistung“ (Händler) | Herstellergarantie nicht gefunden |
| Lieferbarkeit | „ausverkauft“ (Händler) | „auf Bestellung, 7–30 Werktage“ (anderer Händler) | Stand 19.10.2026 |
Quellen der Spalten A und B siehe Quellenzeile am Seitenende. Sobald Nocpix verbindliche Werte veröffentlicht, ersetzen sie diese Tabelle.
OMNI H35R und Habrok HQ35LN im Datenvergleich
Das Habrok HQ35LN ist das Gerät, das ich seit März 2024 führe. Der Vergleich ist ein Datenvergleich, kein Vergleichstest: links Herstellerangaben eines neuen Geräts, rechts die Daten meines Geräts, dessen Stärken und Schwächen ich aus zweieinhalb Jahren Revier kenne.
| Merkmal | Nocpix OMNI H35R | HIKMICRO Habrok HQ35LN |
|---|---|---|
| Wärmesensor | 640×512 @ 12 µm | 640×512 @ 12 µm |
| NETD | ≤15 mK | <20 mK |
| Objektiv Wärmebild | 35 mm F0.9 | 35 mm F1.0 |
| Tag-/Nachtkanal | 8192×6144 („8K“) | 2560×1440 |
| IR-Strahler | 850 nm + 940 nm, wechselbar | 940 nm, fest eingebaut |
| Entfernungsmesser | bis 1.000 m | bis 1.000 m |
| Akkus | 18650 | 18650 |
| Preis | UVP 2.899 € (10/2026) | Marktpreis ca. 2.449 € (09/2026) |
Habrok-Daten wie auf meiner Testseite. Beim Wärmebild liegen beide auf Papier nah beieinander; der Unterschied steckt im Digitalkanal und im IR-Konzept.
1. Wie sind die Augenmuscheln befestigt — geschraubt, gerastet, nur aufgesteckt?
2. Sind die Tasten durch das Gehäuse abgedichtet oder durch aufgeklebte Abdeckungen?
3. Welche Schutzart nennt Nocpix verbindlich, und was deckt die Herstellergarantie ab?
4. Wo sitzt der Service in Deutschland, und wie lange dauert eine Reparatur?
5. Lassen sich die IR-Module im Dunkeln mit Handschuhen wechseln, ohne dass Kleinteile verloren gehen?
Das sind keine Vorwürfe an Nocpix — ich weiß schlicht nicht, wie das OMNI hier abschneidet. Es sind die Fragen, die ich mir beim Habrok vor dem Kauf hätte stellen sollen.
Für wen das OMNI H35R interessant sein kann
Auf dem Papier spricht das OMNI H35R Jäger an, die ein Gerät für Tag, Dämmerung und Nacht suchen: Wärmebild zum Finden, hochauflösender Digitalkanal zum Ansprechen, Entfernungsmesser dazu, und mit dem 850-nm-Modul vielleicht mehr Reichweite beim Ansprechen in der Nacht als bei Geräten mit festem 940-nm-Strahler. Wer dagegen vor allem in der Dämmerung abglast, sollte die ersten Berichte ernst nehmen und daneben ein gutes klassisches Fernglas nicht vorschnell abschreiben.
Rechtlich ist die Sache einfach: Als Handgerät zum Beobachten ist das OMNI waffenrechtlich frei, auch mit eingebautem IR-Strahler. Es ist weder Vorsatz noch Zielgerät. Was an der Waffe erlaubt ist, steht auf der Seite zur Rechtslage der Nachtzieltechnik.
Häufige Fragen
Was kostet das Nocpix OMNI H35R?
Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 2.899 Euro, das kleinere Schwestermodell OMNI L19R mit 384er-Wärmebildsensor bei 1.799 Euro. Bei den Händlern lagen die Preise Mitte Oktober 2026 auf diesem Niveau; die Lieferbarkeit war uneinheitlich.
Bringt der 8K-Sensor im OMNI H35R ein schärferes Bild?
Nur eingeschränkt. Der Digitalsensor hat 8192 × 6144 Pixel, das Display im Okular aber 1600 × 1200 Pixel — die volle Auflösung sieht man beim Beobachten nie. Der Vorteil liegt vor allem beim digitalen Zoom und bei Fotos. Die sehr kleinen Pixel von 1,2 µm sammeln wenig Licht; ein erster Praxistest bewertet das Bild in der Dämmerung schwächer als bei einem klassischen Fernglas.
Darf man das Nocpix OMNI H35R als Jäger benutzen?
Ja. Als Handgerät zum Beobachten ist es waffenrechtlich frei, auch mit eingebautem IR-Strahler. Es ist kein Vorsatz und nicht für die Montage an einer Waffe gebaut. Welche Nachtsichttechnik an der Waffe erlaubt ist, regeln Waffengesetz und Landesjagdrecht gesondert.